Geschafft – die Hausarbeit ist bei der Post und hoffentlich auf dem Weg zur Dozentin. Vorhin habe ich schon die Fantasie entwickelt, dass sie unterwegs verloren geht. Und dann? Katastrophe? Ich müsste sie wohl nochmals ausdrucken und abschicken. Also beruhige dich, Herz, es kann nichts schlimmes passieren.
Schreiben wollen wir lernen und vor allem, andere zum Schreiben zu bringen. Da sollte doch so eine Hausarbeit kein Problem sein. Trotzdem wetteifern viele Stimmen in meinem Kopf um Gehör. Hausarbeit klingt so wissenschaftlich und ich schreibe nichts, als einen ganz persönlichen Erfahrungsbericht. All meine Gedanken, Reflektionen sind mir so selbstverständlich, meine Selbstzweifelstimme ist sich ganz sicher, dass alle anderen viel tiefergehende, interessantere, fundiertere und auch noch besser formulierte Hausarbeiten schreiben. Und über allem schwebt die Sorge um die Noten, wo doch für mich in meiner Situation Noten so gar keine Rolle spielen. Eigentlich.
Allen Zweifeln zum Trotz ist mein Werk nun unterwegs. Ich habe mir eine Pause verdient. Gut, es steht noch ein Feedback an und die zweite Hausarbeit. Und wenn dies alles fertig ist, kann ich schon anfangen, mich mit den Aufgaben fürs zweite Semester zu beschäftigen. Die Einführung in die Philosophie und der Lehrbrief Schreibpädagogik liegen bereit. Trotzdem. Erst ab dem Wochenende. Zur Entspannung ein wenig bloggen.
Beflügelt vom Erfolg der eingetüteten Hausarbeit habe ich mich heute übrigens getraut, in zwei Buchgeschäften nach Büchern zum kreativen Schreiben zu fragen. Im ersten gibts gar nichts (für christof: in der kleinen, linken), in der anderen standen immerhin ein paar Klassiker zur Stilkunde (Wolf Schneider und das Steputat Reimlexikon) und ein paar Bücher zum wissenschaftlichen Schreiben. Vielleicht hätte ich da mal vor der Hausarbeit nachfragen sollen? Die Buchhändlerin war sehr freundlich, gab in ihren Rechner „kreatives Schreiben“ ein und stellte fest, es gäbe dazu eine ganze Menge. Ach so! Sie könne mir gerne was zur Ansicht bestellen. Nun gut, da werde ich wohl den Büchereien treu bleiben. Wegen ihrer Aufgeschlossenheit und weil ich gesehen habe, dass es in der Buchhandlung ausgelegte Flyer gibt, versuchte ich noch den Flyer für die neu von mir ins Leben zu rufende Schreibgruppe auszulegen. Mein Einwand Buchhandlung und Schreiben passe doch gut zusammen, half nichts, nur Flyer von Kulturinstitutionen dürfen hier liegen.
Vielleicht bin ich ja auch eine Kulturinstitution?
Tagebuch einer Studentin – 12. März
12. März 2009 von blinddarm
Zumindest auf dem Weg zur Kulturinstitution, in der Region. Erst südlich des großen Gewässers, in einem anderen Land, erst dort findet sich wieder so ein Kulturinstitution, auch von einer ehemaligen BKS-Studentin betrieben.
Na ja, und die Linke ist ja auch nicht mehr das, was sie einmal war. Früher ging man ja davon aus, dass die schriftliche Selbstverständigung eine gute Möglichkeit ist, die gesellschaftlichen Verhältnisse aufzuschlüsseln. Will wohl keiner mehr so richtig.
So gratuliere ich zur Hausarbeit und wünsche weiterhin fröhliches Schreiben.