Manifest
Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kreativen Schreibens. Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dieses Gespenst verbündet, der Literatur-Papst Marcel Reich-Ranicki und die Abkanzlerin Angela Merkel, radikale Kräfte des Vereins zur Säuberung des Hauses der Literatur und Agenten des Bündnisses „Schreibordnung Agenda 2010“.
Wo ist die Schreibwerkstatt, die nicht von ihren Gegnern als subversive Zelle verschrien worden wäre?
Zweierlei geht aus dieser Tatsache hervor.
Das Kreative Schreiben wird bereits als Macht anerkannt.
Es ist hohe Zeit, dass die Kreativ Schreibenden seine Tendenzen vor der ganzen Welt offen darlegt.
Jetzt ist in einer wissenschaftlichen Studie von Prof. Aschoff (2009) erstmals eindeutig nachgewiesen worden, was zur Schaffung eines fördernden Umfelds für Menschen und daher insbesondere für die hochsensible Zunft der Kreativ Schreibenden wichtig ist. In den jetzigen Verhältnissen darf man sich nicht wundern, wenn diese kulturell äußerst wichtige Gruppe sich mit ständigen Schreibkrisen und –blockaden abplagt.
1
Zuallererst muss eine jede Tätigkeit des Menschen seinen Zweck in sich selbst haben, so wie man es in der herausgehobenen Zeit des Spielens schon jetzt erfahren kann. Hierdurch wird die für kreative Prozesse absolut abträgliche Produktorientierung verunmöglicht.
2
Das Bewusstsein wird von den Europäern stark überschätzt. Es ist für das Kreative Schreiben in höchstem Maße hinderlich. Der Instinkt, der sich aus den Kräften des Unterbewusstseins speist soll beim Schreiben an seine Stelle treten. Die zu Tage tretende Wahrheit wird den Europäern den Spiegel vorhalten und blinde Flecken in der Selbstwahrnehmung beseitigen.
3
Absolute Ehrlichkeit sich selbst und anderen gegenüber ist zu fordern. Sowohl Feedbackgeber als auch –nehmer bzw. alle Menschen können sich nur weiterentwickeln, wenn sie endlich mit dieser doppelbödigen Höflichkeit aufhören würden, die manchmal auch charmant daher kommt.
4
Die Schreibfabriken von Mulitmedia-Konzernen müssen durch Schreibwerkstätten ersetzt werden; nur so sind Entfremdung und Abgeschnittensein von den Produktionsmitteln in weiten Teilen der Bevölkerung zu beseitigen.
5
Anstelle von PISA-Studien müssen Glücksförderungsstudien eingeführt werden. Nur so kann die heranwachsende Generation in den Genuss der einzigartigen Ressourcen kommen, die das Kreative Schreiben bereithält
6
Der überkommene Tiefgang vor allem der Teutonen muss dringend gegen eine neue Leichtigkeit ersetzt werden. Nichts ist dem kreativen Prozess abträglicher als der Anspruch geniale Texte für das Haus der Literatur verfassen zu wollen und sich dabei womöglich noch an Vorbildern wie Goethe zu orientieren.
Literatur
Aschoff F. 2009. Was muss alles abgeschafft werden? Was muss an dessen Stelle gesetzt werden?
Doppelt verblindete Auto-Exploration. Download unter: https://www.asfh-berlin.de/ostg/courses/studfiles/8602/783779_1235040870.pdf
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